Wie Hörgewohnheiten die Musikproduktion prägen. Entwicklungen und Veränderungen unter kulturellen, technischen und psychoakustis

Wie Hörgewohnheiten die Musikproduktion prägen. Entwicklungen und Veränderungen unter kulturellen, technischen und psychoakustis

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Autoren
Verleger Diplomica
Erscheinungsdatum: 2017
Sprache: GER
Einband: Paperback / softback
Seitenzahl: 76
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Textprobe: Kapitel 2.3 BEEINFLUSSUNG DURCH MEDIEN: Wer glaubt, dass Massenmedien den Musikgeschmack der Bevölkerung widerspiegelt, der irrt. Vielmehr ist es eher anders herum. Zielvorgabe beim Rundfunk ist es zwar, einen gemeinsamen Nenner im Musikgeschmack der Masse zu finden, jedoch werden überwiegend ohnehin bekannte oder dem Stil nach vertraute Titel mit geringem Komplexitätsgrad eingesetzt. Diese Titel erfordern wenig Aufmerksamkeit beim Zuhörer. Zu ähnlich dürfen die Musikstücke allerdings auch nicht sein, weil die fehlende Variation beim Hörer zu Langeweile führt. Deswegen werden von den Sendern schnelle, aktivierende Songs mit langsamen, entspannenden gewechselt. Die Logik von Musiksendern zwingt Plattenfirmen, sich auf Lieder zu beschränken, die unmittelbar verständlich sind und auf direkte Weise beim Zuhörer funktionieren. Die Folge ist, dass meist oberflächlichere gegenüber innovativeren Titeln erfolgreich sind und beim Konsument als hörenswert erachtet werden. In der Sozialpsychologie ist dieses Phänomen des Mögens bei mehrfacher Wiederholung als 'Mere Exposure Effekt' bekannt. Allerdings wird bei häufigen Wiederholungen früher oder später das Optimum erreicht. Danach sinkt die Wertschätzung wieder. Mediale Darstellung hat für Musik einen höheren Stellenwert als für andere Güter. Wird in den Medien beispielsweise Werbung für Nahrungsmittel gemacht, bedeutet dies noch lange nicht, dass es dem Kunden auch schmeckt, wenn er es kauft. Wird ein Musiktitel aber im Radio oder Fernsehen gespielt, kann der Zuhörer sicher sein, dass er genau denselben Titel 'as it is' bekommt und kann sicher gehen, dass er ihn auch später so wahrnimmt, wie er ihn in den Medien zuvor gehört hat. Weil Musik selbst die beste Werbung für Musik ist, versucht die Musikindustrie im Laufe der letzten Jahre zunehmend für Hörfunk und Fernsehen zu produzieren: Obwohl zwischen 2000 und 2013 die tägliche Hörfunknutzungsdauer der deutschen Bevölkerung im Durchschnitt von 209 auf 186 Minuten leicht zurückging, ist das Radio neben dem Fernsehen mit zuletzt 189 Minuten pro Tag nach wie vor das meistgenutzte Massenmedium. So entwickelte sich ein bestimmtes Klangbild, um den Massengeschmack zu bedienen. Tim Renner, Musikjournalist und früherer Geschäftsführer von Universal Music in Deutschland schreibt zu den im Rundfunk gespielten Titeln: 'Die Medienlogik ist verheerend: Quoten können nur steigen, wenn gespielt wird, was der Konsument schon kennt. So beginnt eine Todesspirale für die Inhalte. Sie müssen beliebig sein, klingen wie Etabliertes, um funktionieren zu können. Die Qualität leidet, nichts wirklich Innovatives kann sich dauerhaft etablieren'. Klangtechnisch kommt hinzu, dass durch das Senden im Rundfunk das Audiosignal grundsätzlich komprimiert wird. Das bedeutet, dass ein Titel, der ohnehin aufgrund des Pre-Masterings komprimiert wurde, so noch einmal zusätzlich komprimiert wird (siehe Kapitel 3.2 'Audiosignal Kompression'). In Rundfunkanstalten haben sich hierbei Geräte wie 'Optimod' oder 'Omnia' etabliert, die das Audiosignal nicht nur komprimieren, sondern auch noch eingebaute Equalizer, Exciter , Automatic Gain Control und Limiter besitzen. Wie leicht zu schlussfolgern ist, verändert sich hierdurch das ursprüngliche Signal erheblich. So hört sich ein Song von CD oder Online-Shop oft völlig anders an, als im Radio oder Fernsehen. Übertragen auf die Musikproduktion bedeutet dies, dass Tonmeister auch beachten sollten, in welchem Zielmedium die Musik später präsentiert wird. So kann im günstigsten Fall die Mischung und das Pre Mastering des Musikstücks so angepasst werden, dass es sich im jeweiligen Zielmedium genau so anhört, wie vom Toningenieur gewünscht. 2.4 HÖR-VERÄNDERUNGEN DER JEWEILIGEN EPOCHE: Der Blick in die Vergangenheit macht deutlich, wie sehr sich Gewohnheiten in der Gesellschaft ändern können: Tonsatzlehren des 17. bis frühen 20. Jahrhunderts legten fest, dass di
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